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Geschichtsdaten

Der Raum Uelsen und seine Geschichte

 

Auf der flachen Talsandtiefebene der Niedergrafschaft haben Gletscher der Saaleeiszeit Endmoränenhügel aufgeschüttet. Sie bedecken etwa 100 qkm der Kreisfläche. Diese Hügellandschaft wird als Uelser Höhendilivium bezeichnet. Wo Kiese und Sande die tertiären Schichten überlagern, bedecken Wälder die diluvialen Flächen. Es ist Quellgebiet mineralreicher Waldbäche. Schon in vorgeschichtlicher Zeit haben Menschen hier gelebt, wie stein-, bronze- und eisenzeitliche Funde aus der ganzen Samtgemeinde bezeugen.

 

1131 Uelsen wird erstmalig urkundlich bezeugt in einer Urkunde
des Bischofs von Utrecht. Uelsen gehörte zur Twente. Twente und Utrecht (beides heute in den Niederlanden) gehörte damals zum Deutschen Reich. Das Jahr 1131 sagt aber über das Alter Uelsens wenig aus. Bodenfunde aus vorgeschichtlicher Zeit bezeugen, dass Uelsen zu den ältesten Gemeinden der Grafschaft Bentheim gehören (siehe Goldener Becher).

 

690 wurde wohl der Grund zum großen Kirchspiel Uelsen gelegt.
Der Missionar Willibrord kam mit Begleitern in diese Gegend. Die Glaubensboten kamen ebenfalls nach Uelsen, weil sie hier bereits einen ansehnlichen Ort vorfanden. Um die erste Holzkirche siedelten sich bald Kaufleute, Krämer und Handwerker.

 

Um ca. 1300 gab es in Uelsen eine Burg.
Der Eigentümer war der Graf ten Tooren oder von Thurn. Reste dieser Burg dienten in der Mitte des 19. Jahrhunderts als Synagoge.

 

1312 ging das Gogericht aus den Händen der Herren van den Toren in den Besitz der Grafen von Bentheim über.
Vom großen Kirchspiel lösten sich im 10. Jahrhundert das Kirchspiel Veldhausen, im 16. Jahrhundert Wilsum und im 17. Jahrhundert Lage. Zunächst betreuten Uelser Richter auch Neuenhaus und Veldhausen. Im 600jährigen Ringen bemühten Magistrat und Bürgerschaft Uelsen sich, die alte Stellung zu bewahren. Das Gogericht umfasste das ganze Kirchspiel und griff im Osten über die Vechte hinaus. Es tagte 14tägig auf dem Kirchhof unter der Linde. Der Richter leitete den Prozess und die Schöffen sprachen das Urteil. Während der französischen Fremdherrschaft 1806 - 1813 ging das Gericht an die Stadt Neuenhaus über.

 

1544 - 1597 fand auch in Uelsen die Reformation statt:
Die katholische Kirche wandelte sich nach den Lehren Luthers und richtete die Gottesdienste nach dem Augsburger Glaubensbekenntnis ein.

 

Ca. 1546 wurde unter Kaiser Karl V. der Verlauf der Grenze geregelt und Uelsen wurde deutlich von den Niederlanden abgetrennt.

 

1580 Spanisch-Niederländischer Krieg
Im Wald von Uelsen fanden schwere Abwehrkämpfe gegen die vorrückenden Spanier statt. Der spanische Kapitän Pessel überschritt mit spanischen, albanischen, wallonischen und deutschen Söldnern die Grenze bei Wielen. Pessel rückte weiter über Uelsen nach Neuenhaus vor, nachdem es im Wald von Uelsen noch zahlreiche Tote gegeben hatte.
1584 kam der tyrannische und blutige Mendoza, der sein Quartier in Ootmarsum hatte, in die Bauernschaft Halle, wobei 13 Bauern niedergehauen und etliche tödlich verwundet und ihrer Habe und Güter beraubt wurden. Im selben Jahr kamen sie noch mal und plünderten die Bauernschaften Halle und Getelo ganz aus. Die neutral Grafschaft litt unter räuberischen Überfällen spanischer und holländischer Truppen, die hier ihren Kriegsbedarf zu decken versuchten. Während des 80 Jahre lang dauernden Krieges lag der Oberst Emanues da Vagos im April 1591 mit seinen Corps, bestehend aus 3000 Mann Infanterie und 800 Mann Kavallerie beinahe 3 Wochen in Uelsen. Da es eine teure Zeit war, litten die Einwohner, die von ihren Habseligkeiten beraubt waren, große Not. Graf Arnold sandte daher Wagen mit Bier, Brot und anderen Lebensmitteln an die Kriegsleute, damit die armen Untertanen desto mehr verschont werden möchten.

 

15. Juni 1676 legt in Uelsen mittags ein heftiger Brand in 3 Stunden 83 Häuser in Asche.

 

1618-1648 30jähriger Krieg
Obwohl neutrales Land, hat zu dieser Zeit die Gemeinde Uelsen, wie auch die Grafschaft Bentheim furchtbar gelitten. In diesen Jahren haben spanische, münsterische, lüneburgerische, hessische, schwedische Truppen in der Grafschaft Quartier genommen, Verpflegung für Mensch und Tier gefordert und die letzte Habe erpresst.

 

1636 Dem Hunger folgte die Pest.

 

1650 Das Rathaus wurde erbaut

 

1665 Es waren nicht einmal 20 Jahre nach dem Westfälischen Frieden vergangen, als die galenischen Kriege gegen Holland die Grafschaft mit neuen Kriegsvölkern überzogen. Bernhard von Galen, Bischof von Münster, verband sich mit England und griff Holland an.
Die Grafschaft litt unter den Durchmärschen der Truppen, die Quartiere und Lieferungen forderten. Als England die Hilfsgelder einstellte, zog der Bischof seine Truppen zurück und schloss 1666 den Frieden von Nordhorn.

 

1672 Der Frieden von Nordhorn dauerte 6 Jahre.
Der Bischof schloss sich diesmal mit Frankreich und England zusammen und griff die Niederlande wieder an.

 

1668 Graf Ernst Wilhelm trat zum katholischen Bekenntnis über.
Er ließ die reformierten Geistlichen durch Katholische ersetzen. Die Grafschafter Pastoren wandten sich an die Niederlande, die seit 1648 nicht mehr zum Deutschen Reich gehörten. Die Kirchensprache war nun niederländisch. Bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts lehrte man in den Schulen auf niederländisch, in den Kirchen sang man noch teilweise bis 1933 in niederländisch.

 

17.2.1683 Turmbrand: gegen 19.00 Uhr zog ein fürchterliches Gewitter über Uelsen hinweg. Durch einen Blitzschlag brannte der Turm der ev.-ref. Kirche nieder. Am 18. September 1686 wurde der neue Kirchturm fertiggestellt, aber nur noch 52 m hoch. Ursprüngliche Höhe: etwa 86 m

 

1756 - 1763 Siebenjähriger Krieg
Am 11.2.1762 wurden Kavallerie- und Infanterie-Abteilungen in alle Teile der Grafschaft geschickt, um 210 Trainknechte für den Dienst der Alliierten Armee zu pressen. Da aber die junge Mannschaft bei Zeiten das Land verlassen hatte oder sich sonst versteckt hielt, wurden die Hausväter mitgenommen. Aus Uelsen waren es 27 Mann.

 

Bis ca. 1800 gab es Grundherren (Die Grafen von Bentheim, Klöster, aber auch holländische Herren). Ihnen gehörten die Bauernerben, die Bauern und Familien waren Hörige. In der gewerblichen Siedlung Uelsen gab es Handwerker, Krämer, Fuhrleute, Wirte die ihrer persönlichen Freiheit nicht froh waren. Im frühen Mittelalter häuften sich Fehden zwischen den großen Herren und ihren missgünstigen Nachbarn. Die Angreifer hielten sich in den offenen Bauernschaften schadlos. So wuchs das Bedürfnis nach Schutz und Hilfe. Freie Menschen gaben sich einem Herren in der Stadt zu Eigen, andere traten in die Echte der Kirche ein.

 

19. Jahrhundert. Die Einwohnerzahl in Uelsen ging von 1200 auf 806 zurück.
In den Häuserreihen sind viele Lücken entstanden durch Abbruch und Brände. Viele Arbeiterfamilien sind ausgewandert, teils nach Nordhorn und Schüttorf, teils nach Holland und Amerika. In der Mitte des 19. Jahrhunderts fanden diese Leute Arbeit in den Fabriken für Handweberei. Der Betrieb derselben hörte auf, als in Nordhorn und Schüttorf die Dampffabrikation in großem Stile betrieben werden. Ferner hat es zur Blütezeit in Uelsen eine Schnapsbrennerei, eine Bierbrauerei und eine Cichorienfabrik gegeben.

 

1921 gründete man eine Elektrizitätsgesellschaft.

 

1929 - 1931 baute man eine Wasserleitung.
Und dem Elektrizitätswerk wurde eine Warmbadeanstalt angegliedert.

 

1974 Uelsen wird eine Samtgemeinde.
1950 schlossen sich die Bürgermeister des Kirchspiels Uelsen zur Bezirksbürgermeisterei Uelsen zusammen, um gemeinsam die politischen und wirtschaftlichen Probleme zu bewältigen. Aus der Bezirksbürgermeisterei entwickelte sich 1970 die Samtgemeinde Uelsen, der damals zehn Gemeinden angehörten. Diese Anzahl der Gemeinden verringerte sich durch Eingemeindung, so dass die durch die Gebietsreform am 1.3.1974 gebildete Samtgemeinde Uelsen aus sieben Mitgliedsgemeinden besteht: Getelo, Gölenkamp, Halle, Itterbeck, Uelsen, Wielen und Wilsum.